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Peenefahrt

Von Dahmen nach Stralsund

   

Alles fließt, sagte der alte Heraklit. Er kannte die Peene nicht.

Die wenigen Zentimeter Höhenunterschied die wir zwischen der Einsetzstelle am Malchiner See und der Mündung in den Peenestrom erlebten, reichten nicht, eine merkliche Strömung zu erzeugen. Nur dem Wind gelang es gelegentlich, das Wasser mal in der einen mal in der anderen Richtung in Bewegung zu versetzen.

Am südwestlichen Ende des Malchiner Sees liegt der Naturcampingplatz Dahmen. Hierher transportierte Jürgen vom Stralsunder Ruderclub freundlicherweise nicht nur uns und unser Gepäck, sondern auch die Kerteminde, einen leichten und damit tragbaren dänischen Inrigger, den die Stralsunder für "Die Dänemarkfahrer e.V." bei sich lagern und vermieten. Das Boot ist von der Peene selber grandios unterfordert, aber da wir noch über den Peenestrom und die Ostsee nach Greifswald und Stralsund wollten, eine vernünftige Wahl.

Nach der Zeltübernachtung befahren wir zunächst den von der Westpeene durchflossenen See, besichtigen dabei in Bristow von außen die besonders innen sehenswerte Renaissancekirche und das verschlossene Aschenputtelmuseum und folgen dem zuckerrübentransportkahnbreiten Fluß, der hier als Dahmer Kanal firmiert, weiter bis Malchin. Unterwegs gewöhnen wir uns schnell an das Boot und den halbstündigen Rotationsrhythmus zwischen Steuermanns-, Backbord- und Steuerbordplatz. Kurz vor der Vereinigung mit der Ostpeene beenden wir den Tag am Wasserwanderrastplatz Malchin. Hier sind wir gezwungen, in Betten zu übernachten, da alle Zeltplätze von einer Jugendgruppe belegt sind. Auch der Ort selber mit seinen backsteingotischen Toren und Türmen wird noch begangen.

Noch vier Kilometer Kanal, dann öffnet sich der Kummerower See, immerhin der größte in Vorpommern und daher in der ganzen Gegend weltberühmt, auch für seine Windanfälligkeit. Es plätscherte also zwischen Kummerow (Barockschloß mit Landschaftspark) und Verchen ein wenig stärker gegen die Bordwand. In Verchen haben wir Glück, daß uns die Kirche aufgeschlossen und von Frau Pastor erklärt wird.

An der sogenannten Aalbude verlassen wir den See und schlängeln uns gänzlich unkanalisiert über 15 Kilometer nach Demmin. Alles ist friedlich, nur gelegentlich ein kleines Sportboot oder abenteuerliche Tretboote, das ist alles bis kurz hinter der Tollense-Mündung schräglinks ein kleiner Flußarm abzweigt und uns zum Segelclub mit eigenem kleinen Hafenbecken und Zeltplatz bringt. André schwimmt noch eine kleinere Runde durch die Stadt. Am nächsten Morgen brechen wir nach Besichtigung der am Ende des letzten Krieges weitgehend zerstörten Stadt auf.

Loitz (mit "Ö") ist die erste Pausenstation. Wer eine Immobilie für günstig hält, wenn sie wenig kostet, wird hier fündig. Das gerühmte Preis-Leistungs-Verhältnis des Restaurants am Hafen nutzen wir nicht, wir müssen weiter. Nach Jarmen, denn da sollte es einen Rastplatz geben. Es regnete inzwischen leicht und mehr war versprochen . Der Rastplatz besteht aus einem angenehmen Steg und einer schütteren, harten Rasenfläche neben einem Parkplatz am Ende des Hafengebiets, eingerahmt von je einer Autobahn- und Bundesstraßenbrücke. Letztere erwies sich immerhin als regendicht, so daß wir darunter ein romantisches Nudeldinner zubereiten und genießen können. Später, als wir uns schon lange satt im Zelt räkeln, belebt sich der Platz mit motorisierten Jungjarmenern, die aber friedlich wieder verschwinden, bevor wir sie zu besorgten Handlungen provozieren können.

Am nächsten Morgen frühstücken wir nicht ohne Grund unter der Brücke. Ohne Wehmut brechen wir die Zelte ab und verstauen die feuchten Textilien im Boot. Im Anklamer Bootshaus wollen wir sie am Abend trocknen.

Zunächst nach Stolpe, wo man von einer sonnenbeschienenen Terrasse im Fährkrug einen herrlichen Blick auf den Fluß haben soll. Die Terrasse ist verregnet und auch die warmen Innenräume will man uns an diesem frühen Vormittag nicht öffnen. An unserer wassersportlich-durchnäßten Erscheinung kann es nicht liegen, meinen wir. Weniger abweisend, dafür aber ruinös heruntergekommen, ist das älteste Kloster Pommerns. Herzog Wartislaw I. war hier tätig und Otto von Bamberg war wohl auch wieder mit dabei.

Später taucht in der Ferne die Silhouette Anklams auf. Den Wasserwanderrastplatz am Ortseingang verschmähen wir und steuern stattdessen den Ruderverein an. Bald ist auch eine Kontaktperson aufgetan und der Schlüssel gefunden, so daß wir uns und unsere feuchten Klamotten ausbreiten können.

Die Städte auf dieser Tour werden von Tag zu Tag ansehnlicher. Trotz starker Kriegszerstörungen hat Anklam heute Stadttore und Türme, Backsteinkirchen und Gotische Giebelhäuser zu bieten, sowie ein Museum für den Flugpionier und großen Sohn der Stadt, Otto Lilienthal. Wir verbringen hier unseren ersten Puffertag, aber weniger, weil das Besichtigungsprogramm dies erfordert, sondern wegen der Windvorhersage, die für den ganzen nächsten Tag starken Nordost vorhersagt, was auf dem Peenestrom überhaupt nicht zu gebrauchen ist. Um uns von Wind und Wellen zu überzeugen, machen wir einen Eisenbahnausflug nach Zinnowitz, wo wir uns beim Blick auf beeindruckende Brecher zu unserer weisen Ruhetagsentscheidung beglückwünschen.

Am folgenden Tag ist alles ruhig, und nach den letzten Flußkilometern liegt der Peenestrom friedvoll und wellenarm vor uns. Unter der Usedomer Brücke hindurch geht es zunächst nach Nordost, dann Nordwest Richtung Wolgast. Mit Lassan liegt noch ein typisches pommersches Landstädtchen auf halber Strecke - idealer Pausenplatz am Ende eines langgezogenen Wasserarms.

Wolgast (wir kommen auch hier beim Ruderverein unter) hat zwar sein Herzogsschloß im Laufe der Geschichte eingebüßt, ist aber immer noch ein schmuckes Städtchen am Übergang nach Usedom, in dem wir gerne einen Ruhetag einlegen, den jeder nach eigenem Geschmack nutzen darf. Glaubhaftes Interesse an spätgotischen Zentralbauten der Backsteingotik ist der Schlüssel zur sehenswerten Gertrudenkapelle und später gelingt André auch noch der Besuch des geschlossenen Runge-Hauses.

Der nächste Morgen beginnt dunstig. Wir sind früh unterwegs, weil wir vor der Ostseebefahrung noch in Peenemünde die rostigen Reste der Luftwaffen- und Heeresversuchsanstalt besichtigen wollen. Es wird immer nebliger und zeitweise sehen wir weder das Ufer noch die nächste Tonne der Fahrrinne. Da helfen uns die hinter uns liegenden Leuchtfeuer von Wolgast, durch deren Peilung der Schlagmann sicherstellen kann, kann wir noch nicht vom Weg abgekommen sind. Am Ende sind wir schneller als gedacht und müssen in Peenemünde noch auf die Öffnung der Museums warten.

Der Peenestrom ist als westlichster Mündungsarm der Oder mit dem Stettiner Haff verbunden und trennt die Insel Usedom vom Festland. Bedeutend nicht nur wegen seines Fischreichtums sondern auch als Lebensraum zahlreicher Vogelarten. Schon auf der Peene selber haben wir diverse Seeadler gesichtet, aber hier sehen wir sie gleich in größeren Gruppen über den Himmel segeln.

Nach Peenemünde beginnt die Ostsee so glatt wie der Peenestrom aufgehört hat. Ideales Spätsommerwetter. Wir müssen nach links, Richtung Greifswald, abbiegen und dabei die Halbinsel Struck mit größtmöglichem Abstand zum Ufer und zu Vogelansammlungen umfahren. In der Ferne erkennt man Massen von Schwänen, die sich gelegentlich in Bewegung setzen und rauschend auffliegen. Wir nähern uns Lubmin, Baggerarbeiten sind im Gange. Geht hier nicht die Nordstream-Pipeline entlang? Ruder halt! Stoppen - stoppt! Die schnelle Reaktion des Steuermanns verhindert Schlimmeres, als unmittelbar vor uns im Wasser, bündig mit der Oberfläche abschließend ein in keiner Weise gekennzeichnetes gewaltiges Rohr sichtbar wird. Wir kollidieren mittelsanft, der Rückenwind drückt uns kraftvoll weiter gegen das Rohr, und nur mit großer Mühe kommen wir unter den interessierten Augen der Baggerbesatzungen schließlich rückwärts rudernd wieder frei. Jetzt sehen wir auch das Ende des Rohres, mehrere hundert Meter auswärts bei einem kleinen Boot. Wir umrunden es weiträumig und können wieder entspannen. Der Strand von Lubmin nimmt uns auf zur Mittagspause.

Weiterhin bei prächtigem Wetter bei allmählich zunehmendem Wind und umgeben von Wassergeflügel und einer vereinzelten Robbe erreichen wir die Dänische Wieck bei Greifswald und fahren in den Ryck ein, der die Ostsee mit der Hansestadt verbindet. An diesem Flüßchen liegt die Hilda, der örtliche Ruderverein, der uns gastfreundlich aufnimmt. Die besuchten Städte werden weiterhin von Station zu Station ansehnlicher, und so nutzen wir gerne die Gelegenheit zu einer ausgiebigen Stadtbesichtigung am kommenden Ruhetag. Luise ist uns eine engagierte Stadtführerin.

Die letzte Ostseeetappe, ähnlich genußreich wie die letzte, aber ohne Zwischenfälle, bringt uns zunächst zur kurzen Fischbrötchenrast zum Fährhafen Stahlbrode, bevor wir in den Strelasund einlaufen und auf der anderen Seite der Rügenbrücke wieder den Stralsunder Ruderclub sehen, wo wir unbeschadet, zufrieden und wohlig erschöpft anlegen. Das beeindruckende Stadtbild und die großartigen Sehenswürdigkeiten von Stralsund konnten wir am nächsten Tage noch besuchen. Herzlichen Dank noch einmal an die Stralsunder Dänemarkfahrer für ein wunderbares Boot, das wir neidisch zurücklassen. Die Rudertour nach Hiddensee heben wir uns für das nächste Mal auf.

Martin Meyer-Wyk


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